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Politik Chronik Unterhaltung Sport Verschiedenes

Krach bei der US-Wahl zwischen Trump und Cruz

15.01.2016 14:44

Irgendwann, etwa nach der Hälfte der Debatte, sind kleine Hilferufe zu vernehmen. "Wir müssen über die wichtigen Themen reden", fordert Marco Rubio, der Senator aus Florida. "Wir müssen einig auftreten", ruft Jeb Bush, der einmal Rubios Mentor war. "2012 sind wir übereinander hergefallen. Das dürfen wir nicht wiederholen", sagt Ben Carson, der Doktor aus Baltimore. Donnerstagabend, das Convention Center in North Charleston, South Carolina: Die Republikaner treffen sich zur inzwischen sechsten TV-Debatte. Dass es bei solchen Formaten in der "Grand Old Party" schon mal lauter werden kann, war in den vergangenen Monaten bereits zu beobachten.

Das Problem: Jetzt rücken die Vorwahlen näher. In etwas mehr als zwei Wochen starten sie in Iowa und die schwindende Zeit lässt den Grad der Gemeinschaftlichkeit nicht gerade wachsen. Im Gegenteil. Jeder kämpft für sich, jetzt erst recht, und zwar mit allen Mitteln. Nur noch sieben Kandidaten hat der Sender Fox Business zugelassen. In der Mitte der New Yorker Milliardär Donald Trump, rechts von ihm Ted Cruz, Senator aus Texas, links von ihm Rubio, der Mann aus Florida. Die Außenplätze besetzten rechts Carson und Bush und links Chris Christie, Gouverneur aus New Jersey, sowie John Kasich, Amtskollege aus Ohio. Ohne Frage Donald Trump gegen Ted Cruz. Die beiden, einst verbündet im Kampf gegen das aus ihrer Sicht korrupte Washington, kämpfen um den Sieg in Iowa. Der eine als Darling der Verängstigten, der andere als Liebling der Evangelikalen. Sie liegen in den Umfragen des ersten Vorwahlstaates Kopf an Kopf und in North Charleston wird es persönlich. Mehrfach geraten sie aneinander. Größter Streitpunkt ist Trumps jüngster Lieblingsvorwurf an Cruz, aufgrund seiner Geburt in Kanada möglicherweise gar nicht als Präsidentschaftskandidat in den USA antreten zu dürfen. "Du musst das die Gerichte klären lassen", ruft Trump: "Du hast ein riesiges Fragezeichen über dem Kopf. Wenn ich dich als Vizepräsident nehme, klagen die Demokraten und wir können nicht loslegen!"

Es klingt absurd. Aber für Cruz ist das tatsächlich ein recht unangenehmes Thema. Eine ähnliche Debatte musste der damalige Präsidentschaftskandidat John McCain 2008 verkraften, weil er in Panama geboren wurde. Als Politiker möchte man solche Diskussionen lieber beenden. Eigentlich. Nicht so Cruz. Es gebe sogar Juristen, die sagten, man sei schon dann nicht zur Kandidatur berechtigt, wenn ein Elternteil im Ausland geboren sei. "Das hieße: Auch Donald Trump wäre unter diesen Umständen nicht berechtigt, denn seine Mutter wurde in Schottland geboren", ruft er. Im Übrigen habe er sein Leben lang die Verfassung vor dem Supreme Court verteidigt. "Ich nehme keine juristischen Ratschläge von Donald Trump an", ruft er. Punktsieg Cruz. Nächster Streitpunkt der beiden: die Herkunft Trumps. Weil der Milliardär aus Manhattan kommt, zweifelt Cruz an dessen konservativen Überzeugungen. Er wirft ihm vor, "New Yorker Werte" zu haben, die republikanische Umschreibung für progressiv und liberal. "Ich kann es auch so sagen: Es kommen nicht besonders viele Konservative aus Manhattan", ruft Cruz.
Trump verzieht keine Miene, aber kontert elegant. "New York ist ein toller Ort", sagt er. Er erinnert an den Einsturz des World Trade Centers und an den Gemeinsinn, mit dem die New Yorker anschließend das Drama verarbeiteten. "Die Leute in New York kämpften und kämpften und kämpften", ruft Trump. Die Botschaft lautet: Erzähl` du mir nichts von Werten. "Das war gerade ein ziemlich verletzendes Statement von Ted", so Trump. Cruz lächelt gequält.

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